facebook googleplus instagram twitter youtube
Beratung:
+49 (0)89 921 310 010
Teekenner Service

Bio-Tee aus Japan - Film und Interview mit Nishi-San

22. April 2018

Erster Grüntee Erntetag - wir waren dabei.
 


Bei meiner Ankunft bei der Nishi-Familie herrscht große Aufregung und Freude – es ist der erste Erntetag der neuen Shincha-Ernte. Einen ganzen Winter warten die Teebauern auf diesen ersten Tag, der dann auch gleich zeigt, welche Qualität der neue Japan Tee hervorbringt. Die Gegend Kirishima ist bekannt als hervorragende Anbauregion für japanischen Bio-Tee. Das Umland ist geprägt von artenreichen Pimärwäldern mit Bambus und beeindruckenden Nadelwäldern der japanischen Sicheltanne. Alles ist grün und blüht. Auf dem überschaubaren Gelände von Nishi befindet sich eine kleine Teefabrik, ein wunderschöner japanischer Garten und ein großes Holzhaus, das als Küche, Esszimmer und Begegnungsstätte dient. Alles duftet nach frischem Tee, es riecht nach Orchideen und Flieder. Man fühlt sich sofort wohl und gut aufgehoben.

 

Interview mit Bio-Tee Produzent Nishi-San aus Kirishima, Japan.

Interview von Christian Beck, Teekenner

Frische Shincha Teepflanze

Teekenner: Wie sieht es aus mit dem ersten Shincha Grüntee aus 2018?

Nishi-San: Die Pflanzen sind dieses Jahr ein paar Tage früher dran als sonst, wir haben heute mit der Handernte in den tieferliegenden Teegärten begonnen, hier sind die Teepflanzen bereits am weitesten ausgetrieben.  Die ersten Geschmacksproben sind vielversprechend!

Wie läuft die Ernte, ist alles gut organisiert?

Es ist jedes Frühjahr eine Herausforderung ausreichend TeepflückerInnen in sehr wenigen Tagen zu organisieren. Heute waren wir 70 Leute. Alle aus der Familie und der Verwandtschaft helfen mit, außerdem viele Leute aus der Nachbarschaft. Darunter sind viele ältere Frauen, die das Teepflücken auch als soziales Ereignis verstehen und die Gelegenheit nutzen sich im Ruhestand etwas dazu zu verdienen.

Wie lange betreibt die Nishi-Familie bereits Bio Tee-Anbau und wie kam es dazu?

Christian Beck mit Teeproduzent Nishi-SanMein Großvater begann nach dem 2. Weltkrieg mit dem Tee-Anbau in Kirishima, Japan. Er konnte viele Teegärten neu kultivieren und übergab schließlich meinem Vater als erstgeborenen Sohn den Betrieb. Mein Vater begann vor 25 Jahren mit dem Bio-Anbau und der Herstellung hochwertiger japanischer Grüntee-Sorten. Heute haben wir Teegärten in der Größe von 70 Hektar, in denen keine künstlichen Düngemittel und keine Pestizide eingesetzt werden. 80% dieser Tee-Anbauflächen sind offiziell biozertifiziert.

Wie habt Ihr drei Brüder euch die Arbeit heute aufgeteilt?

Der tragische Unfalltod unseres Vaters vor einigen Jahren war ein harter Schlag und kam völlig unerwartet. Wir mussten uns von heute auf morgen neu organisieren. Wir haben uns dazu entschieden, die Vision unseres Vaters weiterzuverfolgen: Die Bewirtschaftung aller Teegärten im Bio-Anbau. Als ältester Sohn war klar, dass ich die Geschäfte führe. Mein ein Jahr jüngerer Bruder kümmert sich um die Finanzen. Man könnte auch sagen der erste Sohn gibt das Geld aus, was der zweite Sohn gespart hat (lacht).

Und dein jüngster Bruder?

Die Nishi BrüderAls dritter Sohn ist er vogelfrei und kann machen und lassen was er will. Er lacht immer und ist sehr offen. Wir mögen ihn alle sehr. Er unterstützt uns, wo immer es ihm Spaß und Freude bereitet.

Gibt es nie Streit zwischen Euch?

Natürlich gibt es auch Reibungspunkte zwischen uns. Als erstgeborener Sohn bin ich der Chef und der Chef entscheidet im Zweifel (lacht).

Was hast du von deinem Vater gelernt?


In jüngeren Jahren hatte ich kein Interesse für Tee und die Arbeit als Pflicht empfunden. Ich habe mich für andere Dinge interessiert. Heute sehe ich, dass es vor allem der wissenschaftliche Ansatz ist, den ich von meinem Vater gelernt habe: Alles zu hinterfragen und nach neuen Lösungen zu suchen. Heute sind wir in der Anbautechnik weit voraus und coachen die umliegenden Teebauern z.B. in der Ablegertechnik oder im richtigen Umgang mit der Muttererde und dem Kompostieren. Auch in der Beschattung und in der Verarbeitungstechnik haben wir neues erfunden. Wir gehören zu den wenigen Teeproduzenten, die ihre Teeblätter nach der Ernte waschen. Dafür haben wir eine eigene Waschanlage entwickelt, die die Teeblätter wäscht und gleichzeitig nicht beschädigt.


Wie genau managt Ihr die Qualität der Erde?Beschattung der Teepflanzen für die Gyokuro Produktion

Die schwarze Muttererde wird mit mineralstoffreicher, weißer Vulkanerde und kompostierter Erde aus dem Wald gemischt. Der Kompost wir einmal pro Jahr im Februar eingemischt. Die Kälte des Winters verhindert das Faulen der Erde. Gleichzeitig findet die erste Ernte bei neuen Pflanzen erst nach fünf Jahren statt und nicht, wie sonst im konventionellen Tee-Anbau üblich, nach drei Jahren. Nach 5 Jahren sind die Wurzeln bereits tief genug und wir können den Kompost einmischen, ohne die Pflanze zu beschädigen. Wenn man, so wie im konventionellen Anbau üblich, mit künstlichen Düngemitteln arbeitet, hat man dieses Problem natürlich nicht.

Ihr verwendet silberne Folien für die Beschattung bei Gyokuro und Kabuse Sencha?

Das ist auch eine unserer Erfindungen. Auf der Oberseite sind sie silbern, auf der Unterseite sind sie schwarz. Wir erhalten dadurch optimale Beschattungsergebnisse und verhindern gleichzeitig ein zu starkes Aufheizen der Teepflanzen.

 


Wir wünschen genussvolles Teetrinken!

Christian Beck