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Teekenner Service

Wo Japans beste Shincha-Tees gehandelt werden

7. Mai 2018

Ein Besuch bei der Shincha Tee-Auktion in Kagoshima.

Shincha Tee-Auktion in KagoshimaZwei Dutzend erfahrene Tee-Einkäufer stehen ungeduldig vor der Glastüre – gleich werden sie innerhalb einer halben Stunde 500 Teeproben Shincha in Augenschein nehmen und anschließend ihre Gebote abgegeben. In wenigen Sekunden werden hier Tee-Deals in Millionenhöhe abgeschlossen. Die Shincha-Tees der ersten Erntetage in Kagoshima erzielen Höchstpreise und werden in kurzer Zeit von Tee-Einkäufern aus ganz Japan aufgekauft. Schließlich müssen die Teehändler Ihren Bedarf für ein ganzes Jahr decken.

Alles folgt hier einem klar definierten Ablauf. Die Teeproben werden mit Hilfe einer über 20 Meter langen, schmalen Förderlinie transportiert – das Ganze erinnert an das Prinzip einer Sushi-Bar. In kleinen, rechteckigen Schalen werden exakt 100g jeder Teeprobe präsentiert. Hinter jeder Schale befindet sich ein Aufgussbecher, in dem die Förderlinie automatisch heißes Wasser aufgießt. Für den Aufguss werden genau 5g Tee und ausschließlich kochendes Wasser verwendet. Die Förderlinie stellt auch eine die gleiche Ziehzeit für alle Teeproben sicher.

Japans Tee-Einkäufer sind Frühaufsteher

Die Auktion startet um 7:30 Uhr und ist in 30 Minuten Einheiten eingeteilt. Jeder Tee-Einkäufer wird einer Gruppe zugeordnet, die dann einen 30 Minuten Slot zugewiesen bekommt. Die Tee-Einkäufer laufen die Linien entlang und beurteilen die Teeproben nur visuell und entscheiden sofort, ob sie ein Preis-Gebot lancieren. Riechen an den aufgegossenen Teeblättern oder gar einen Schluck schlürfen ist tabu. Dies bleibt einzig und allein den Brokern vorbehalten. Am Ende der 30 Minuten geben die Tee-Einkäufer Ihre Gebote an Ihren Broker weiter. In der Regel arbeitet jeder Tee-Einkäufer langfristig mit einem Broker zusammen.
Schließlich kommen die Broker in die Auktionshalle. Man erkennt sie an den blauen Kappen. Zum Standard Werkzeug eines jeden Brokers gehört ein Löffel und ein Sieb am Ledergürtel. Die Broker kaufen neben den bereits ausgewählten Chargen ihrer Tee-Einkäufer noch weitere Chargen nach eigener Wahl.

Shincha Verkostung - bewaffnet mit Teesieb und Teelöffel

Zwei Stunden später treffen die Tee-Einkäufer in den nahegelegenen Büros ihrer Broker ein. Gemeinsam wartet man auf das Eintreffen der Teeproben, auf die man sein Gebot abgegeben hat. Die Atmosphäre ist hier ganz entspannt. Man arbeitet seit vielen Jahren zusammen und kennt sich gut. Schließlich treffen die ersten Teeproben ein. Jetzt wird der Reihe nach aufgegossen, wieder mit 100 Grad. Ich erkundige mich nach dem Grund: Es geht hier nicht darum, die feinen Aromen herauszuschmecken, sondern vielmehr die Fehler, die ein Tee haben kann. Die schmeckt man am besten bei hohen Aufgusstemperaturen. Mit der Geschmacksprobe der Teeproben können die Tee-Einkäufer ihre Kaufentscheidung nochmals prüfen. Falls ein Tee-Einkäufer mit der Qualität unzufrieden ist, kann er sein Gebot auch zurückziehen. Das ist jedoch eher die Ausnahme. Denn ein Profi erkennt bereits an der Optik, was er einkauft.

Es werden dann auch die zahlreichen Chargen des Brokers der Reihe nach durchprobiert. Alle Tee-Einkäufer testen der Reihe nach zügig die Proben. Es gibt zwei Durchgänge: Im ersten Durchgang werden die Teeblätter mit dem Sieblöffel aus dem Tee-Aufguss ausgehoben und kurz beschnuppert. Im zweiten Durchgang wird mit dem richtigen Löffel ein Schluck Tee geschlürft. Das Ganze läuft sehr schnell ab. Ein zweites Mal Probieren ist tabu, denn das käme einem Gesichtsverlust gleich. Es herrscht bei den Tee-Einkäufern schnell Einigkeit über die besten Chargen. Per „schnick, schnack, schnuck“ spielen die Tee-Einkäufer um die besten Chargen.

Welcher ist der beste Shincha im ganzen Land?

Natürlich bin ich bei jeder Runde dabei. Anfangs etwas verunsichert, welcher Tee den nun wirklich besser oder schlechter schmeckt, komme ich nach der 3. Runde langsam in Fahrt und fange an die geringfügigen Unterschiede in den Geschmacksnuancen zu verstehen. Die besten Shinchas überzeugen tatsächlich durch absolute Makellosigkeit: Keine Bitterkeit, keine Adstringenz, keine rauchigen Noten, sondern volles, rundes Umami-Aroma.

 

Wir wünschen genussvolles Teetrinken!

Christian Beck