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Teekenner Service

Mariias Teereise - Im Teegarten

16. August 2012

Besuch in FudingDer beste Platz für den besten grünen Tee

Schließlich gelange ich auf die Plantage. Von Wäldern eingerahmt, ist dies sicherlich der am besten geeignete Platz, um biologischen Anbau vom grünen Tee vorzunehmen. Die Mao Jian Teesträucher wurden auf einem hoch gelegenen Berg mit steilen Hängen gepflanzt, der einen atemberaubenden Blick auf die Landschaft bietet.

Was macht einen guten Bio-Teegarten aus?

Die Plantage ist relativ groß, und ich versuche jede Ecke und jeden Winkel zu fotografieren. Währenddessen erklärt mir der Leiter des Teegartens, wie man eine Bioplantage von einer herkömmlichen unterscheiden kann: “Wenn Spinnen in den Sträuchern sitzen, wurden keine Chemikalien verwendet. Wir achten sehr genau auf die Pflanzen, damit wir den Bio-Status aufrechterhalten und jedem Teekenner ein natürliches und gesundes Getränk liefern können. Zum Beispiel besitzen wir ein Düngesystem, mit dem wir nur die Bereiche gleichmäßig düngen können, die es gerade brauchen.“ Ich nicke zustimmend.

Teefabrik als Wohnort?

Ich arbeite nun für Teekenner und wohne in einer Teefabrik. Einige von euch haben sicherlich nicht unbedingt positive Assoziationen bei dem Wort Fabrik. Auch ich stelle mir dabei normalerweise sofort eine hässliche Konstruktion mit hohen Schornsteinen vor, aus denen etwas Giftiges in die Atmosphäre ausgestoßen wird.

Teebauer Li im TeegartenUnsere Teefabrik

Aber nun sehe ich die Teefabrik, in der ich mich eine Weile aufhalten werde, vor mir: ein großzügiges, aufgeräumtes, zweistöckiges Haus mit Küche und Schlafräumen in der oberen Etage und der Verarbeitungshalle im Erdgeschoss. Während der Tee verarbeitet wird, duftet das gesamte Haus nach einer frisch aufgebrühten Tasse grünen Tee. Verarbeitet wird in den Abendstunden, direkt nachdem die Blätter geerntet wurden. Zwei Männer tragen die ganze Nacht lang Bambuskörbe voll mit Teeblättern von einer Maschine zur anderen.

Die Kunst der Teeverarbeitung mit Cha Shi Fu

Die Teeverarbeitung an sich ist ein einfacher Prozess: Die Blätter werden unter verschiedenen Temperaturen getrocknet und gerollt. Doch die Herstellung eines hervorragenden grünen Tees ist wie das Kochen einer guten Mahlzeit. Der Koch muss die ganze Zeit dabei sein und schnuppern und kosten um herauszufinden, welche Zutat noch fehlt. Ein Cha Shi Fu (chinesisch für Tee-Meister) erkennt den Zustand der Teeblätter durch Anfassen, Aussehen und Geruch. Worin unterscheidet sich ein getrocknetes Teeblatt vom anderen? Er kennt das gesamte Spektrum dunkelgrüner Schattierungen und frisch-bitterer Duftkomponenten. Bei jedem Verarbeitungsschritt kontrolliert er, inwieweit die Teeblätter die charakteristischen Merkmale eines hochwertigen Tees bereits angenommen haben.
Ich hingegen darf diesen hochwertigen grünen Tee jeden Morgen genießen! Mein presönlicher Favorit ist Silver Needle Tee - oder einfach auf Chinesisch Yin Zhen Tee.

Teeverarbeitung - Chinesisches Bergland - das berühmte Teeanbaugebiet

Jeder hier weiß, wie man Tee anbaut und verarbeitet. Dank der günstigen klimatischen Bedingungen wird in dieser Gegend schon seit Jahrhunderten Tee angebaut, und daher sind auch die meisten Einwohner zumindest zeitweise in die Teeproduktion eingebunden. Wer sich auf den Teeanbau spezialisiert hat, besitzt, ebenso wie viele Angestellte der Teeplantage, ein außerordentlich detailliertes Fachwissen, was mir sehr dabei geholfen hat, mir ein Bild über den Gesamtprozess des biologischen Teeanbaus zu verschaffen. Dieses Wissen gebe ich ich gerne an Teekenner - Leser weiter.

Frische Grüntee-ErnteBioloischer Teeanbau im Detail

Teesträucher werden in höheren, hügeligen Lagen gezogen, in denen sie viel Sonne und auch genügend Regen bekommen. Wenn man die Bioplantage länger nutzen möchte, muss man darauf achtgeben, dass die Pflanzen gesund und die Böden fruchtbar bleiben. Die meiste Arbeit besteht darin, die Teepflanze - auf unserer Plantage die Mao Jian Pflanze - von Beginn an zu kräftigen und die Erde vor Erosion zu schützen. Während des Wachstums verleiht man den Sträuchern die Form, bei der das Pflücken am wenigsten anstrengt. Viele erntereife Teeplantagen weisen daher einheitlich niedrige Pflanzen in geraden Reihen auf. Die Teepflücker laufen die Reihen ab und pflücken immer nur die obersten Triebe mit zwei oder drei Blättern. Ausschließlich die jüngsten, gerade erst gewachsenen Blätter und Triebe enthalten eine ausreichende Menge an Tannin, Koffein und anderen Stoffen, die einen qualitativ hochwertigen Tee ausmachen. Daher sieht man im Teeglas nach dem Aufguss nur grüne Triebe und junge Blätter.
Alles in allem brauchen die Teebauern und alle damit verbundenen Experten für den biologischen Anbau vom grünen Tee eine Menge Erfahrung, Geschicklichkeit und Ausdauer, um einen Tee herzustellen, der sich mit allen Sinnen genießen lässt.

Mein letzter Tag in der Provinz Hubei

Dies ist mein letzter Tag hier in Hubei. Meine Arbeit ist getan, der Bericht für Teekenner wurde vorgestellt und heute Abend steige ich in den Zug nach Hangshou City, um mich weiteren Aufgaben von Teekener zu widmen. Obwohl ich es immer genieße, neue Orte zu entdecken und andere Menschen kennen zu lernen, bin ich gerade ein wenig traurig darüber, dass ich diese Teeplantage nun verlassen muss. Diese wunderbare Landschaft und die freundlichen Menschen muss man einfach ins Herz schließen.

Abschiedsessen auf Chinesisch

Natürlich wird ein “Good-Buy-Dinner” ausgerichtet. Familie, Freunde und Angestellte des Teebauern setzen sich zusammen an einen Tisch und wünschen sich gegenseitig eine weiterhin gute Zusammenarbeit. Dieses Ereignis ist – wie so viele in China – sehr traditionell. Zu Beginn und nach dem Essen wird grüner Tee gereicht, der aromatische Mao Jian, zunächst für die wichtigsten Gäste und schließlich auch für den, der ihn serviert. In diesem Fall bekomme ich zuerst, dann die Regierungsvertreter und Kunden, daraufhin die Angestellten und die Gastgeber. Mehr als ein Dutzend verschiedene Gerichte werden aufgetragen. Einige davon werden in die Mitte des Tisches auf Stövchen gestellt. Stäbchen, kleine Schüsseln und Porzellanlöffel dazu und in der Mitte des Tisches eine runde Scheibe, die sich drehen lässt. Für einen Chinesen keine Besonderheit, aber sehr erstaunlich für einen ausländischen Gast wie mich. Das wichtigste und vielleicht schwierigste Detail beim Essen ist das Heben des Glases. Beim ersten Mal wird es von allen gleichzeitig gehoben, bei den darauf folgenden Gelegenheiten prosten sich die Gäste gegenseitig zu, wobei die Reihenfolge eine wichtige Rolle spielt. Als erstes prostet man demjenigen zu, der das Mahl ausgerichtet hat, dann den anderen Gästen, wobei die Reihenfolge ihrem sozialen Status entspricht.
Es ist immer schwierig, sich die Namen und Berufe der acht bis zehn Gäste zu merken, die einem gleich zu Beginn nacheinander vorgestellt wurden. Es gibt einen Trick, den ich in solchen Situationen verwende (und den auch die Chinesen nutzen): Man kann jeder Person nacheinander im Uhrzeigersinn zuprosten während man steht, oder man merkt sich die Reihenfolge, in welcher der Gastgeber den Gästen zuprostet und kann diese dann mit kleinen Abweichungen übernehmen.
Es ist in China eine höfliche Sitte, dem Gast immer wieder anzubieten, etwas nachzunehmen und daher wird mir, sobald meine Schüssel leer ist, sofort bedeutet, von diesem oder jenen Gericht zu probieren.
Nach dem Essen werde ich meinen Koffer packen müssen. Aber ich werde wunderbar schlafen im Zug mit dem vielen, leckeren Essen im Bauch.